Ist E 2.0 ein Thema fuer IT-Architekten?

Portaltechnologie, Ajax, Rest, Soap, LDAP – 2.0 hat auch irgendwo technische Auswirkungen und Voraussetzungen, klar.
Aber ist Enterprise 2.0 ein Thema fuer IT-Architekten? Oder, anders formuliert: Software sucks…

Enterprise 2.0 steht fuer den offenen Umgang mit Information, fuer die Nutzung von Kommunikationspotentialen, fuer kleine Massnahmen mit potentiell grossen organisatorischen Auswirkungen.

  • Weil jedermann bewerten darf, sind bisherige Vorstellungen von gut und schlecht aufbereiteter Information im Unternehmen massiven Veraenderungen ausgesetzt.
  • Weil jeder im Intranet kommentieren kann, entstehen ganz andere Ansprueche an Qualitaet, Aktualitaet, Reaktionsgeschwindigkeit und Umgangsformen. Das gilt fuer Kommentatoren und Autoren, fuer Autoren, die Kommentare zulassen und ganz besonders fuer solche, die sie unterdruecken moechten.
  • Weil jeder durch Tags sein Paralleluniversum in der offiziellen Navigationshierarchie gestalten kann, veraendert sich der Umgang mit Information, wird das Finden von Information von der Bringschuld (“In unserem Intranet finde ich nie etwas”) zur Holschuld (“Ich habe die relevante Information mit meinen Schlagworten gekennzeichnet, die zu meinem persoenlichen Ablagesystem passt.”).
  • Weil interne Enterprise Social Networks, Wikis und Blogs vernetzte Formen der Zusammenarbeit, ein anderes Thema und andere Dimensionen der Oeffentlichkeit (auch im Unternehmen) bedeuten, sind organisatorische und personalrechtliche Massnahmen notwendig.

Nichts davon war bis jetzt ein urspruenglich IT-affines Thema.

Der Erfolg von Enterprise 2.0 haengt von der Verlaesslichkeit, Effizienz und Geschwindigkeit ab, mit der die gewonnenen Erkenntnisse in die Organisation eingearbeitet werden koennen: Was machen wir mit der Information, die wir aus Kommentaren gewinnen? Wie finden wir die Leute, die sich aktiv und sinnvoll beteiligen? In welche Programme stecken wir sie, um das erkannte Potential zum beiderseitigen Vorteil auszubauen? Wie nutzen wir die Information, wie integrieren wir Vorschlaege und Zusaetze in die aktuellen betrieblichen Prozesse?

Auf den ersten Blick (und aus Senior Management-Perspektive) sind wir hier von technischen Fragestellungen weit entfernt. Es geht immer um Organisation.

Dennoch ist Enterprise 2.0 in der urspruenglichen Definition ueberwiegend technisch bestimmt. Und natuerlich sind die Zusammenhaenge vorhanden: Ohne Zusammenhaenge, gemeinsame Applikationen, ist die Nutzung von Blogs und Wikis parallel zum Intranet nur halb so lustig. Ohne durchgaengige Benutzerverwaltung ist das Identifizieren von Mitarbeitern, die sich beteiligen, nicht moeglich. Ohne schlanke Frontendtechnologien sind weder einfache Bewertungsfunktionen noch die Darstellung unterschiedlicher Applikationen in einer fuer den User zusammenhaengende Oberflaeche und Userexperience moeglich.
Mit dieser Zielorientierung vor Augen lassen sich Projekte, Budgets und Investitionen weit leichter argumentieren.

Selbstverstaendlich sind diese Zusammenhaenge eben noch lange nicht…

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3 Responses to “Ist E 2.0 ein Thema fuer IT-Architekten?”

  1. Michael Holakovsky says:

    Hervorragend getroffen. Ich denke, dass du deinen Gedankengang noch weiter spinnen solltest.
    Die besprochene Abhängigkeit zwischen organisatorischen Maßnahmen und technischen Maßnahmen sind wie ein siamesischer Zwilling. Du brauchst für die meisten unternehmensweiten E2.0 Technologien gravierende organisatorische Änderungen, umgekehrt brauchst du für umwälzende organisatorische Änderungen die entsprechenden E2.0 Technologien.
    Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Noch viel mehr als bei bisherigen Ansätzen.

  2. [...] Weil interne Enterprise Social Networks, Wikis und Blogs vernetzte Formen der Zusammenarbeit, ein anderes Thema und andere Dimensionen der Oeffentlichkeit (auch im Unternehmen) bedeuten, sind organisatorische und personalrechtliche Massnahmen notwendig. Quelle: enterprise2punkt0.at [...]

  3. Christoph F. Strnadl says:

    > Was machen wir mit der Information, die wir aus Kommentaren gewinnen?
    > Wie finden wir die Leute, die sich aktiv und sinnvoll beteiligen?

    Deshalb würde ich eine E2.0 Initiative nicht ganz allgemein in ein Unternehmen stellen, sondern anhand eines ganz konkreten Projektes (Stichwort “Projekt Wiki” oder “Marketing Blog” oder “Jour Fixe Twitter”) starten.

    Gerade was Blogs anbelangt braucht man dafür ja trivialerweise “Schreiberling” (Journalisten hießen die früher): Und nicht alle wollen sich schriftlich allgemein ausdrücken. Aber in einem Projekt, wo es um ganz konkrete Ziele geht, da könnte man wohl die Leute zu konkreten “Artikeln” motivieren, denke ich.

    -cfs

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