Ist Enterprise 2.0 überlebensfähig?

Wenn ich mir diesen Artikel (netzwertig.com) so durchlese, dann frage ich mich, wieweit Enterprise 2.0 ein Buzzword ist oder real zum Erfolg von Unternehmen beitragen kann? Von der Skepsis kann ich natürlich viel nachvollziehen. Immer, wenn es etwas neues gibt, das nicht auf Zwang und Muss basiert, kostet es viel Kraft dies einzuführen. So auch bei Enterprise 2.0 – Wir haben bei Gentics bereits viel Energie reingesteckt, um ein Enterprise 2.0 zu werden, aber wir haben auch noch einen weiten Weg vor uns.

Besonders nachdem es sich ja nicht nur um einen technischen Ansatz handelt, sondern man auch kulturell und organisatorisch viel verändern muss und eigentlich fängt es bei den Köpfen ganz oben ja an. Der CEO 2.0 muss her, der weiss, wann etwas herrscherisch zu entscheiden ist und wann man im partizipativen Modus Entscheidungen herbeiführt.

Und was springt für den Einzelnen heraus? Bei uns greift auch die 1-9-90 Regel der Contenterstellungspyramide. 1% schreibt, 9% kommentieren und taggen und 90% konsumieren. Aber seid wir alles, was sich in der Firma regt, bloggen, herrscht doch eine höhere Dynamik in der Firma und wir haben von so manchem Projekt erfahren, dass ein Mitarbeiter im Alleingang erstellt hat.
Aber auch hier ist es ein weiter Weg und wir haben noch viele Hürden zu beschreiten.

Aktuell sind wir bei Blog intern und extern, Wiki intern zur Wissenssicherung, Twittern um am laufenden zu bleiben, was unsere Gentics Fighter so machen. Die Open Space Meetings werden leider öfter verschoben als gehalten, aber wir arbeiten daran ;) .

Drum sehe ich gerade in grösseren Organisationen eine Chance, wenn man sich von dem streng hierarchischen Ansatz des Industriezeitalters wegbewegt zu einem dynamischeren, partizipativen Ansatz des Informationszeitalters. Wissen ist oft in Orten, wo man es nicht vermuten mag.

Ich sage dem Enterprise 2.0 Ansatz noch eine längerfristige Zukunft voraus, auch, wenn es hier nicht von heute auf morgen eine totale Veränderung gibt.

stay tuned, mfg kms

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2 Responses to “Ist Enterprise 2.0 überlebensfähig?”

  1. Michael Plachy says:

    Good, Bad, Ugly :

    Ich bin ein Enterprise 2.0-Neuling und bin sehr dankbar für die Definition.

    Meine derzeitige Einstellung zu diesem Thema ist: Ein neuer Hersteller-getriebener bunter Luftballon. Ähnlich war es – aus meiner Sicht – bei SOA(GOOD) und WEB 2.0 (BAD).

    Daher finde ich die Blog-Idee recht gut.

    Bei SOA hatte man wenigstens noch ein Problem und ein Ziel jedoch kein einheitliches Verständnis. (Typische Frage damals: Worin besteht der Unterschied SOA und EAI ?)

    Bei Web 2.0 herrschte lange Zeit ausschließlich Verwirrung, bis man krampfhaft eine Definition und einen Nutzen gefunden hat. (Hat man den Nutzen überhaupt gefunden ?)

    E20 hat gute Voraussetzungen „ugly“ zu werden.

    Aus der Definition in diesem Blog ist zu erkennen, dass dieses Thema anscheinend sehr vielschichtig ist. Ich schlage daher vor, das Thema in dieser Reihenfolge zu strukturieren:

    Begriffsdefinition:
    =======================
    Eine Definiton ist eine Begriffsabgrenzung (http://de.wikipedia.org/wiki/Definition).
    Meine Frage: Zu welcher Übergruppe gehört E20 ? Wodurch unterscheidet sich E20 von anderen Gruppenelementen ?
    Was ist das Ziel ?

    Ist E20 = psychosoziales demokratisches Meinungs-Wissensmanagement ?

    Soziale, rechtliche und organisatorische Aspekte:
    =======================
    Ist E20 = „Soziale Software“. Ich denke nicht. Aus meiner Erfahrung erschwert E20 soziale Beziehungen.
    Gute Definition von Kommunikation eines Organisationsberaters= „Kommunikation existiert dann, wenn Sie unterbrochen werden können“.
    (d.h.: Mail, Blog, udgl sind nicht Kommunikationstechnologien sondern Informationstechnologien)

    Eine Unternehmensorganisation braucht Führung. Ob diese nun formell wo niedergeschrieben ist oder informell durch die Mitarbeiter gelebt wird.
    (Möglichkeiten: Führung durch Macht, Führung durch Kompetenz, Führung durch Macht und Kompetenz)

    Wenn man heute nach Sachverhalten im Internet sucht, ist grundsätzlich die Richtigkeit der Information zu hinterfragen. Oftmals sind auch veraltete Informationen zugänglich. Das bedeutet für mich: Wer entscheidet bei E20, welche Information richtig und aktuell ist ?
    Wie funktioniert einen grundlegenden Entscheidungsprozess (vereinfacht dargestellt):
    Meinungsbildung: Hier kann ich mir E20 gut vorstellen.
    Entscheidung: Hier gilt das Highlander-Prinzip „Es kann nur einen geben“. Eine Entscheidung sollte jedoch auch begründet werden.
    Durchführung: Umsetzung einer Entscheidung, auch wenn man anderer Meinung war.

    Die Frage ist: Kann/Möchte E20 diesen Prozess ändern ?
    Meine Antwort: In einem Unternehmen (auch in einer NPO) ist das nicht möglich.

    Weiters – glaube ich -wären bestimmte Aspekte des Urheberrechts von Wissen zu bedenken.

    Als Verwaltungsmitarbeiter war ich unlängst bei einer Veranstaltung einer bekannten Beratungsfirma. Ein Vorschlag war, dass die Verwaltung den Bürgerkontakt über Blogs udgl abwickeln soll.

    Ich denke jedoch, dass Geschäftsmodell der Verwaltung ist grundsätzlich auf „Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Vertrauen bzw. Rechtssicherheit“ aufgebaut. Ob das so einfach möglich ist mit E20.

    Wirtschaftliche Aspekte:
    =======================
    Wie misst man den Nutzen von E20 ?
    Angenommen jemand möchte ein E20-Projekt durchführen: Warum sollte man dafür Geld ausgeben ?

    Ich habe vor ca. 7 Jahren von einem Beratungsunternehmen in Wien gehört, dass Sie finanzielle Incentives vergeben, wenn man sein Wissen und seine Erfahrungen aus Projekten in eine Datenbank erfasst hat.

    Meine Frage wäre: Wieviel wäre es einem Unternehmen wert ?

    Technische Aspekte (Architektur):
    =======================
    Am Ende der Diskussionskette steht dann die Technik.
    Ich habe in meiner Zeit als Programmierer vor ca. 8 Jahren einen hyperbolischen 3 dimensionalen Begriffsbaum (Synonyme udgl.) für einen Kunden (eine Corporate Finance-Abteilung) implementiert. Die Benutzer haben dieses Werkzeug aber nicht verwendet.

    Welche Architekturelemente braucht man für E20 ?
    Genügt nicht ein Dokumentenmanagement-System mit einer Suchmaschine?

    lg mp

  2. Klaus-M. Schremser says:

    Hallo Herr Plachy,

    mich ehrt, dass Sie diesen langen Artikel als Kommentar zu meinem Eintrag geschrieben haben, aber dem Text gebührt ein eigener Artikel, wenn ich das sagen darf. Also, ich würde das als Blogeintrag posten :) .

    mfg kms

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