Von 2.0 reden alle. Um im gleichen Atemzug zu sagen: “Ich habe keine Ahnung, was Tags sind.” Oder: “Ich halte nichts von Social Networks, weil ich mein Privatleben privat halten moechte.” – Wie kann etwas, das im Detail so wenig bekannt ist, so prominent im Fokus der Aufmerksamkeit stehen?
Ein paar Hypothesen zum effektiven Umgang mit der 2.0 Thematik im Unternehmen:
- Vermeide die grossen Worte. “Social”, “2.0″ sind modische Buzzwords, die mehr Widerspenstigkeit hervorrufen, als sie durch ihren Wiedererkennungswert Ablaeufe beschleunigen koennten. Je weniger man von Enterprise 2.0 redet, desto schneller wird man dorthin kommen.
- Do it yourself kehrt zurueck. Das gilt sowohl fuer IT-Projekte (nicht ganz im Sinn von Make or Buy, aber der komplette Zukauf von Diensleistung kommt aus der Mode) als auch fuer das daily business: Wie Mail das Diktieren von Briefen, Handys das Verbinden durch die Sekretaerin und Google die Recherche durch Spezialisten oder die Fuehrung grosser Archive verschwinden haben lassen, werden Enterprise 2.0-Technologien dazu fuehren, dass mehr selbst gemacht wird. Ignoranz als Kompetenz wird weiter aus der Mode kommen, etwas nicht zu koennen/verstehen/nicht machen zu muessen wird noch weniger ein Zeichen von Managementkompetenz sein – denn hier geht es um Erfahrung: Jedem stehen alle Moeglichkeiten zur Verfuegung; den Unterschied macht der, der sie nutzt. Am einfach ausprobieren fuehrt kein Weg vorbei, trotz aller Zeitprobleme, Sorgen, dass es bereits zu spaet sein koennte, und Anegste, die Kontrolle zu verlieren.
Und schliesslich gilt DIY in besonderem Masse fuer die Strategie. Die kann nicht von einem Berater, einer Agentur oder aus einer Case Study kommen. Dann schon lieber vom Ferialpraktikanten. - Seid fuer den Goldrausch vorbereitet. Goldrausch bedeutet nicht unbedingt, dass alle reich werden. Das Wort steht eher fuer grosse Erwartungen, lange Entbehrungen und den erbitterten Kampf um die besten Plaetze – ohne Erfolgsgarantie, ohne Rueckgaberecht.
Die Aussichten sind unsicher – aber es schadet nicht, die besten Plaetze zu besetzen und gut ausgeruestet zu sein. Fuer den Fall, dass hier doch etwas zu holen ist. - Das Schweigen der Enterprise 2.0-Evangelisten, das mancherorts diagnostiziert wird, duerfte bereits eine Folge des Verzichts auf grosse Worte sein. Was kann man moch verkaufen? Wer will noch von grossen Veraenderungen hoeren? Klein, schnell und pragmatisch sollen Projekte sein. das geht leider nicht immer, manchmal sind einschneidende Infrastrukturmassnahmen notwendig, manchmal organisatorsche Begleitmassnahmen, die jeden vernuenftigen Rahmen sprengen.
Gross denken ist immer erforderlich, gezielt handeln aber ebenso. Und oft stehen kleinen Zusatzfeatures (Einfuehren einer Bewertungs- oder Kommentarfunktionim Intranet) auf der IT-Seite gigantische Projekte (Einfuehrung einer unternehmensweit einheitlichen Benutzerverwaltung) gegenueber; noch nicht zu reden vom potentiellen organisatorischen Spengstoff. - In wenigen Jahren kehrt 2.0 als Mainstream zurueck (sofern das Thema jeweils nicht praesent gewesen sein sollte). Jetzt stehen oft noch Markennamen im Vordergrund; es wird ueber Produkte und Zielgruppen geredet. Twitter und Facebook erwecken vielleicht den Eindruck, das sei ein voruebergehende Phaenomen fuer bestimmte Zielgruppen. – Ist es, so eng betrachtet, wohl auch. Marken und Produkte aendern sich oder verschwinden ganz; bleiben wird ein Weg veraenderter, verknappter, und haeufigerer Kommunikation mit potentiell immer groesseren Reichweiten und dadurch entstehenden immer groesseren und immer dichteren Netzen. Das ergibt sich von selbst – bald wird es dafuer kein Buzzword mehr brauchen. Dann ist es (vielleicht) zu spaet, als Unternehmen in das Thema einzusteigen. Fraglich ist aber, ob es ueberhaupt moeglich sein wird, “draussen” zu bleiben.


Ich stimme deiner Idee zu, dass viele Technologien alte Verhaltensmuster veränderten, z.B. Handy und Sekretärin. Im Arbeitsalltag haben wir in vielen Unternehmn aber bereits DIY, auch ohne E2.0. Das reicht von Reiseabrechnung über Stundennachweise bis zu Dokument Vorlagen.
Nicht darüber reden, sondern tun, äußert sich dann meistens in Abteilungswikis oder Entwickerblog, die nicht den Sprung über Abteilungsgrenzen schaffen. Die Einführung eines unternehmensweiten Blogs schaffst du nicht ohne Überzeugungsarbeit.
Ueberzeugungsarbeit ist das allerwichtigste – aber nicht auf strategischem oder technischem Level, sondern durch kleine praktische Schritte. Das meine ich mit Do it yourself – ausprobieren und teilhaben.
Dass Strategie und Technik sich wie von selbst dazu ergeben sollen, in Wahrheit aber eben minutioes geplant werden muessen, ist eine der grossen Herausforderungen diverser Einfuehrungsprojekte…