Ist Knowledgeworker alles was E2.0 bietet?

Habe mit Interesse die letzten Artikel verfolgt und bereits zwei echt spannende Frühstücksrunden mit euch hinter mir. Es drängt sich mir langsam eine etwas provokante Frage auf:

“Ist das Ziel Knowledeworker zu schaffen das einzige wozu E2.0 taugt?”

Der Hintergrund der Frage war eine Bemerkung von Klaus beim letzten Frühstück, dass die Tätigkeiten zum Aufbau/Pflege eines Wissensmanagement neben der eigentlichen Arbeit nicht genug honoriert wird. Für mich war der springende Punkt “neben der eigentlichen Arbeit”!

McAfee hat mit seinem SLATES Konzept keine sozialen Aspekte im Hinterkopf, sondern reine technische Abläufe die sich grundlegend vom bisherigen Schema unterscheiden! Was nützt einem Mitarbeiter ein zentrales, extra zu pflegendes Wiki, Blog und Twitter wenn er

  • sich hundert Passwörter und lauter verschieden URLs für seine tägliche Arbeit merken muss? Bitte Entwicklungs- und Testsysteme nicht vergessen.
  • er relevante Änderungen in einer Applikation immer zusätzlich im Wiki manuell nachtragen muss
  • er Inhalte innerhalb seiner Legacy Applikationen nicht einfach in anderen Applikationen verknüpfen oder einbetten kann
  • er jedes Mal eine Schulung benötigt, wenn er sich Daten aus einer anderen Applikation holt
  • er Arbeitsinformation nicht findet im Universum der Fileshares, Sharepoint Ablagen, Wikis, SAP, Lotus Notes, DB etc.
  • er keine Kommentare oder Notizen innerhalb einer Unternehmensapplikation ablegen kann
  • er für einen Arbeitsvorgang 5 unterschiedliche Applikationen gleichzeitig bedienen und manuell Abgleichen muss
  • er bei Änderungen an Legacydaten meistens gezielt nachsehen muss. Kein Vergnügen bei vielen Applikationen und falls überhaupt möglich

Für die bisherige Diskussionen bedarf es teilweise nicht einmal einer IT. Soziale Aspekte können auch im Workshop und auf Zetteln gelebt werden (ich weiß, dass ist jetzt seht vereinfachend). Warum das in größeren Unternehmen schnell an Grenzen stößt erlebt ihr tagtäglich. Aber Wiki, Blog&Co versuchen nur bisherige Lösungsansätze mit anderen technischen Werkzeuge genauso wieder zu lösen.

E2.0 bietet und fordert meiner Meinung nach mehr. Vor allem eine ECHTE Änderung der Arbeitsweise und viel TECHNIK! Beispiele gefällig?

  • wie wäre es, innerhalb des Sales Tools (z.B. Microsoft Dynamics) die SAP Statistiken über bestimmte Produkte einzublenden. Genauso einfach wie in einem Wiki.
  • Wer verweist auf einen Datensatz von meiner Applikation (ähnlich Blog Syndication), z.B. wer verweist auf einen bestimmten Report oder Ergebnis eines Workflow Schrittes. Das könnten Blogs, oder Wikieinträge sein, oder andere Reports, oder Lotus Notes Einträge
  • Alle oder zumindestens viele Datenfragemente eines Unternehmens sind über eine URL und einem Browser erreichbar. Bei vielen Unternehmen sind noch heute Mainframes im Einsatz und nicht schnell zu ersetzen!
  • Ich finde im Projekt Controlling Tool meines Unternehmens, einen Kommentar von einem Kollegen. Wer ist derjenige (Link zu Konzerntelefonbuch) und ist der jetzt gerade online für Fragen und kann ich ihn mit einem Mausklick direkt über mein IP Telefon anwählen?
  • Ein Prozess aus Mitarbeitersicht nur mehr eine Abfolge von Webmasken im Browser darstellt, auch wenn im Hintergrund dutzende Abfragen oder Synchronisierungen erforderlich sind (siehe z.B. aktuelles Uniqua Projekt von Johannes Mayr)
  • ein RSS Feed für Änderungen an Personalstammdaten. Wäre Interessant für Betriebsrat, Netzwerktruppe, und so manche Sekretärin
  • Eine unternehmesweite Suchmaschine, die alles relevante indiziert und darüber hinaus über Berechtigungen sinnvoll schützt: Fileshares, Lotus Notes, SAP, Datenbanken, Workflow Systeme etc.

Ja ihr habt recht, Wikis und Blogs sind wichtig. Aber die Mitarbeiter eines Unternehmes haben viele Alltagssorgen die damit nicht gelindert werden, sondern als Zusatzarbeit empfunden werden.

Für die meisten aufgezählten Szenarien gibt es bereits Werkzeuge oder Best Practice. Eine Kombination von Portal, CMS, EAI&Workflowsystem, Wiki und einiges mehr, verspricht eine radikalere Änderung der Arbeitsweise als wir bisher angesprochen haben.

Ich hoffe, damit unserer Diskussion einen anderen Aspekt bieten zu können.

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One Response to “Ist Knowledgeworker alles was E2.0 bietet?”

  1. Michael Hafner says:

    Ist das alles? – Die Frage habe ich mir auch schon oft gestellt, wenn ich die eigenen 2.0 Aktivitaeten, die dann schliesslich im UNternehmen Raum greifen, ansehe.
    Die mega-integrativen, "echt" technischen 2.0 Projekte haben meiner Erfahrung nach den Haken, dass sie
    * länger dauern als eine durchschnittliche Vorstandperiode
    * so viel Geld kosten, dass die wichtigsten Leute ganz genau bescheid wissen wollen und lieber weniger als mehr freigeben
    * man deshalb immer wieder neu ansetzen muss und in den freigabebedingten Zwangspausen nicht nur Zeit verliert, sondern auch den Anschluss: Die Applikationen, die man integrieren wollte, sind in der Zwischenzeit ganz anders
    * der Mehrwert dre vollständigen Integration ist so schwer zu erklären: Er ergibt sich erst dann so wirklich schön fassbar, wenn schon einiges umgesetzt wurde, und dafür eben auch einiges investiert wurde. – Es gibt immer wieder den Punkt, an dem sich der Hund in den Schwanz beisst.

    Mit einem anderen Punkt hast du ganz zweifelsfrei recht: BLogs, Wikis, andere neue Applikationen, die eingeführt werden, dürfen auf keinen Fall ausserhalb des Workflows bleiben; sie müssen zumindest in die Redaktions-, Login- und Publikatinsprozesse des Intranet eingebunden sein (technischm, organisatorisch und redaktionell); alles andere ist ein vorprogrammierter Fehlstart.

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