Konvergenz treibt auch E2.0 voran (und noch weiter)

In der IT beobachtet man Konvergenz - also das Zusammenstreben von anfangs unterschiedlichen Phänomenen zu einem gemeinsamen Neuen – in vielerlei Gestalt, auf mehreren Ebenen und (natürlich) mit unterschiedlicher Geschwindigkeit (“Konvergenzradius” würden die Mathematiker noch einwerfen ;-)

  • Kommunikationsebene:
    Daten- und Sprachübermittlung → TCP/IP

  • Software Technologien:
    PC Applikation, Client/Server, Host-Applikation → SaaS (“Software as a Service” und sonstige Elemente einer SOA, d.h. einer service-orientierten Architektur)
  • Prozess Ebene: Prozessmodellierung (ARIS Business Architect, Adonis, Bonapart, MEGA Process et al.), Prozessausführung (Workflow Engines wie jBPM, webMethods et al.) und Prozess-Steuerung (ARIS PPM, Optimize et al.)
    Business Process Management System (BPMS, wobei das ‘S” auch für Suite stehen könnte)
  • Hersteller Ebene:
    Oracle
    schluckt BEA (SOA) und SUN (HW, SOA),
    HP schluckt Infravio (SOA) und EDS (IT Services),
    IBM schluckt Cognos (Business Intelligence) und iLog (Business Rules) und (geplant) SPSS (BI),
    SAP schluckt Business Objects (BI),
    Software AG schluckt webMethods (SOA, BPMS) und (geplant) IDS Scheer (BPM)

Für E2.0 bedeutet das:

Zum einen führt Konvergenz in der Wirtschaft (oft) zu einer Beschleunigung der Entwicklung (Economies of Scale und Economies of Scope); das heißt wir bekommen E2.0 schneller als ohne Konvergenz, ja vielleicht können wir uns gegen E2.0 bald überhaupt nicht mehr “wehren” (siehe das über weite Strecken unkritische Überhandnehmen von SaaS Lösungen wie OpenAir, Salesforce.com).

Weiters löst Konvergenz oft alte (bekannte) Probleme; das klassische Problem der “Integration” von Anwendungen tritt bspw. bei einem einzigen (monolithischen?) Produkt eines einzigen (riesigen) Herstellers natürlich in den Hintergrund. SOA löst das Integrations- und Flexibilitätsproblem von (komplexen) heterogenen verteilten IT Landschaften., BPMS machen Prozesse end-to-end “sichtbar” und damit steuerbar (oder wie sonst wollen sie einen “Prozess” “in Echt” sehen?)

Andererseits (und das ist ein ganz großes Caveat) führt natürlich Konvergenz zum Auftauchen neuer Probleme, die früher noch gar nicht da waren. Die Probleme treten dann eben auf der nächsthöheren Aggregations- oder Systeme-Ebene auf und entstammen primär aus zwei Quellen: Einerseits der noch unvollkommene Konvergenz und andererseits entstehen eben neue (emergente) Probleme im oder beim oder mit dem konvergierten System.

Beispiele für die Probleme auf der Ebene der Konvergenz:

  • Quality of Service bei IP Verkehr – stammt aus der unvollkommenen Konvergenz, wo circuit-switched (Telefonie) und paket switched Technologien (Internet) noch nicht perfekt konvergiert sind
  • fehlende Flexibilität bei hochintegrierten (vor allem: monolithischen) Systemen: Ein Phänomen auf der höheren, konvergierten Ebene
  • totale Internet-Abhängigkeit bei SaaS: Ein neues Phänomen auf Ebene des konvergierten Systems

    (Ich selbst halte ja die völlige Verdrängung der stand-alone PC Applikation für einigermaßen verfehlt: Word übers Internet? Aber ich zähle mich natürlich für einige derartige Anwendungen zu den absoluten Power Usern)

(Die möglichen “Probleme”, die es mit Megakonzernen geben könnte, wären natürlich auch Phänomene auf der Ebene des konvergierten Systems. Ich erspare mir aber die Aufzählung).

Die Gretchenfrage dabei wäre (meines Erachtens) die Frage, wie hoch für uns (das Unternehmen, die Mitarbeiter, die Kunden, die Eigentümern) der Aufwand zur Lösung der neuen (emergenten) Probleme im Vergleich zum Nutzen den gelösten (alten) Problemen ist.

Eine Schwierigkeit bei der Beantwortung dieser einfach zu formulierenden Frage ist u.a. der Zeitraum der Betrachtung: Wenn ich mir die rasch auf uns zukommende Grenze des stofflichen Wachstums (ich rede gar nicht vom Erdöl: Platin und Indium gibt’s noch ca. 5-15 Jahre) ansehe, dann haben wir sowieso ganz andere Probleme.

-cfs

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3 Responses to “Konvergenz treibt auch E2.0 voran (und noch weiter)”

  1. Michael Hafner says:

    im vorletzten Absatz sprichst Du einen Punkt an, zu dem es mich beim Lesen schon lang hingezogen hat: Wozu das ganze – die Frage stellt sich aus der Konvergenzperspektive um so mehr.
    Während Buzzwords wie 2.0 oder Social eher Reaktionen wie "was brauch ma des" hervorrufen, führt diese nüchterne und klare Verbindungen aufzeigende Perspektive eher dazu, dass der Eindruck entsteht, es waeren ohnehin alle Probleme bereits geloest, als ginge es um einen weiteren Weg, das Gleiche anders zu machen.

    Für Organisationen ist das wahrscheinlich auch notgedrungen der erste Schritt; das Ziel, das zumindest ein bisschen visionären Touch verleiht, sehe ich aber anderswo…

  2. Klaus-M. Schremser says:

    Jetzt nochmal mein Kommentar unter meinem richtigen Profil ;)

    Jetzt rein auf die Frage: "z'was brauch ich das?"

    Hmmm, also, wenn ich mich wieder ganz zurückziehe auf das, was mich an dem "Buzzword" Enterprise 2.0 angezogen hat, dann bin ich interessant an dem Gedanken, dass der einzelne Mitarbeiter mehr Möglichkeiten hat Gehör zu finden und Firmenstrategien mit zu beeinflussen, weil sie eine lautere Stimme haben als früher (ohne interaktiven/partizipativen Kommunikationsmitteln). Detto haben die Konsumenten in der jetzigen Zeit des Buzzwords "Web 2.0" mehr Möglichkeiten Produktentwicklungen / -bewertungen zu beeinflussen. Das gefällt mir (auch, wenn es hart ist, als Softwareprodukthersteller ;) .

    Bin jetzt zwar ganz woanders, als der Artikel über Konvergenz, der meinen Kopf zum rauchen gebracht hat, aber … naja, egal, Hauptsache ich habe was zu sagen ;)

    mfg kms

  3. Christoph F. Strnadl says:

    > z'was brauch ich das?"
    In meinem letzten Absatz stelle ich in Hinblick auf die "Grenzen des stofflichen Wachstums" den Nutzen der Konvergenz (und auch E2.0 und anderes) in Frage – durchaus absichtlich und provokant.

    Die Antwort, die mir (beim Erstellen des Blogs) vorgeschwebt ist, war die folgende:

    GENAU weil wir in absehbarer Zeit auf stoffliche Grenzen stoßen werden, wird die EFFIZIENZ unseres Stoff/Energieeinsatzes immer wichtiger, wenn nicht DIE zentrale Frage des Wirschaftens werden – und damit wird die IT als STEUERUNGSINSTRUMENT für effizienten und nachhaltigen Stoff- & Energieeinsatz UNENTBEHRLICH.

    In Malta gibt es ein Projekt im Bereich "Smart Metering" wo ca. 250.000 "intelligente" (= IT :-) Stromzähler angesteuert werden, damit Verbrauch und Nutzung verbessert werden können – auf dass die vorhandenen Ressourcen besser eingesetzt werden. Ähnlich will man die Wasserzähler durch IT-Einsatz "intelligent" machen (und Süßwasser zu bekommen ist auch ein großes Problem in Malta).

    Die WIRTSCHAFTSINFORMATIK 4/2009 hat ein entsprechendes Editorial wo die IT als ENTSCHEIDENDES INSTRUMENT gerade zum Bewältigen der von mir angesprochenen Krise identifiziert wird. Die WI spricht von "2 Stellhebeln":

    (1) Bessere Transparenz & Steuerung des Energie- und Materialeinsatzes durch IT ("Smart Metering" etc.)

    (2) Einsparungen durch moderne IT Anwendungen.

    Ich würde – in Hinblick auf E2.0 – noch hinzufügen, dass gerade die Techniken von E2.0 (Stichwort: "Social") dazu beitragen müssen, globale Probleme auch global behandeln zu können.

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