Nachtrag zur EduMedia 2010

Ich habe bereits vor ein paar Monaten einen kurze Ankündigung der EduMedia 2010 Veranstaltung in Salzburg gemacht und möchte hier noch einen kurzen Nachtrag dazu schreiben (ich kann Christoph Strnadl hierbei aber noch immer nicht das Wasser reichen) .

image Die Veranstaltung war professionell organisiert und mit durchwegs spannenden Vortragenden besetzt. Der international bekannt Dion Hinchcliffe, eine internationale Galionsfigur des Web & Enterprise 2.0, war recht kurzweilig wenn aber wenig bereichernd für mich. Auch wenn er ein sehr interessanter, begeisternder Gesprächspartner bei Tisch ist. Die Veranstaltung EduMedia hat mir persönlich sehr viel gebracht und mir ein paar konkrete Ideen für Neuerungen geliefert die ich in meinem Unternehmen bzw. in der österr. Sozialversicherung ausprobieren möchte. 

Im Großen und Ganzen sagen alle Vortragenden einen allmählichen Wandel von hierarischen Führungsmodellen hin zu mehr dezentralen Modellen voraus, die besser geeignet sind Communities auch innerhalb eines Unternehmens zu etablieren und pflegen. Ihre Argumentation ist, dass der Druck von außen durch Konkurrenz und Leistungsdruck immer stärker wird, als auch die Erwartungshaltung der eigenen Mitarbeiter die immer mehr verwöhnt sind durch die moderne Infrastruktur des Web 2.0 und unangenehme Vergleiche ziehen. Im deutschsprachigen Raum wird der Prozess langsamer ablaufen, hat aber international bereits eingesetzt.

Die nicht ganz neue Erkenntnis: Enterprise 2.0 braucht nicht nur Technologie, sondern auch Anpassung der Führung und Verständnis über die Rolle des MA im Unternehmen sowie offener Zugang zu Information im Unternehmen.

Wir durften unsere Community beim Abschluss auf einem Stand präsentieren und haben wirklich sehr positives Feedback bekommen. Was mich und Michael Hafner sehr freute. Michael war zufällig als Vortragender eingeladen und hat sein ErsteGroup Intranetprojekt vorgestellt. Daher war ich nicht ganz alleine auf dem Stand.

Hier noch ein paar Stichpunkte die ich von ein paar Vortragenden notiert habe. Sollten manche Punkte unklar sein, einfach ein Kommentar schreiben, ich beantworte Fragen gerne.

image Prof. Dr. Klaus North (Hochschule RheinMein, DE):

  • Es ist nicht die Frage zu lösen „wie machen wir Leute zu Solisten“ sondern „wie integrieren wir Solisten in die Organisation“
  • Der Solist steht anscheinend im Widerspruch zum Team. Der Vergleich zu einer Jazz Band zeigt, wie eine Integration möglich ist.
  • Das Solo des Solisten ist ein Abschnitt in der Personalentwicklung in einer Organisation.
  • Führungskrise durch Web 2.0:
    • wenn schon kein Wissensvorsprung für Führungskräfte mehr möglich ist, dann muss Führung zu mindestens Sinn stiften und Menschen motivieren bzw. Raum schaffen damit Mitarbeiter Wissensprozesse leben können
    • Führung wird daher mehr zur Dienstleistung und immer weniger zur Machtposition; z.B. nur gefilterte Anfragen werden an das Team durchgereicht, damit diese ihrer Arbeit in Ruhe nachgehen können, Koordination & Organisation von Arbeitsmittel & Schulungen, Mentoring
    • Führung durch Kompetenz und nicht durch die Position

image Lorentz Huber (Musiker & Managementtrainer, AT):

  • Hat anhand von Jazz Stücken gezeigt, mit welchen Methoden Solisten integriert werden können und wie diese Methoden im Unternehmen Anwendung finden können. Sehr kreative und überraschende Idee.
  • In der Jazz Musik gilt: „wir nehmen einfach was da ist und arbeiten damit“ à Jazz ist sehr ergebnisorientiert und weniger Theorie
  • Er tritt ebenfalls dafür ein Solisten in Unternehmen zeitweise und situationsbedingt freie Hand zu lassen, was naturgemäß bei Führungskräften zu einem Kontrollverlust führt. Das kann aber auch genutzt werden.
  • Wenn man schon Kontrolle verliert, warum nicht daraus eine Stärke machen à z.B. lass die Kunden sich selbst helfen durch geeignete Kommunikationsmittel, z.B. Social Wiki

image Dion Hichcliff (USA):

  • Hauptaussage: „Designing enterprise for loss of control“ à geplanter Kontrollverlust führt zu flexibleren und stabileren Unternehmen und schafft Freiräume für Mitarbeiter
  • Lass Kunden Aufgaben übernehmen, du musst nicht alles selbst tun, z.B. Social CRM (Kunden helfen Kunden)
  • Es läuft alles darauf hinaus, dass es nicht mehr reicht „einmal“ eine Machtposition zu erreichen sondern kontinuierliche Arbeit und Engagement zeigen welches sichtbar ist à „Tue Gutes und sprich darüber“
  • Es gibt viele gute Guidelines für Unternehmen wie der Umgang mit Web 2.0 geregelt ist. Stichwort: social media guidelines
  • Hinchcliff ist recht angetan von Sharepoint 2010
  • Er kennt 2 erfolgreiche Methoden um Communities im Unternehmen aufzubauen (Bootstrap Problem):
    • Migraiton v. existierenden Daten in Legacysystemen in Social Environment (z.B. Knowledgebase)
    • Influencer Strategie: finde ein paar einflussreiche Solisten, die als Gallionsfigur in Erscheinung treten und andere nachziehen
  • Auch er sieht Enterprise 2.0 nicht mit Wikis & Blogs ausgeschöpft, sondern sieht (nach meiner Nachfrage) auch die Verbindung der Social Media mit Legacy Daten wie z.B. SAP als wichtigen nächsten Evolutionsschritt.

image Katrin Glatzel (GF Management Zentrum Witten, DE):

  • Vergleicht die klassischen hierarchischen Organisationstrukturen von Unternehmen (Spinne) mit modernen dezentralen Strukturen (Seestern). Sie folgert aus Forschungsprojekten mit Endkunden, dass Wissensmanagement Systeme nur dann umfassend genutzt werden können wenn Seesternstruktur vorliegt, ansonsten wird immer nur kleiner Teil der Funktionen genutzt à sie hat auch 3 konkrete Beispiel präsentiert, wo sie die erkannten Probleme als auch Lösungen erklärte
  • Sie schickt mir die Studie zu, die ich dann hier beifügen werde

image Michael Heiss (Siemens IS, AT):

  • Hat das TechnoWeb der Siemens vorgestellt. Von der Art her ein internes Facebook für Siemens mit ca. 7000 Teilnehmer wo Techniker Wissensnetzwerke aufbauen und pflegen. Ich kenne das Projekt aus seiner Anfangszeit und bin sehr beeindruckt wie es sich über die Jahre entwickelte

Zum Abschluß noch eine Empfehlung für die Veranstaltungsreihe EduMedia der Salzburg Research von meiner Seite.

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7 Responses to “Nachtrag zur EduMedia 2010”

  1. Danke für Deine Blog-Beitrag über meinen Vortrag.
    Die Folien dazu gibt es auf Slideshare:
    Innovation in an Enterprise 2.0View more presentations from Michael Heiss.

    Übrigens die 7000 Teilnehmer steigen täglich. Gestartet haben wir am 15.3.2010 mit der weltweiten Kommunikation. Die 10 Jahre davor wurde TechnoWeb (damals noch nicht so richtig 2.0) ja nur in einer Abteilung kommuniziert. Ziel ist damit so ca. 40.000 der 400.000 Mitarbeiter zu erreichen. Also haltet uns die Daumen, dass es uns gelingt.

    Meine Learnings aus den 10 Jahren, was die 10 wichtigsten Punkte zum Aufbau einer Wissenvernetzungskultur sind, sind auch auf Slideshare zu finden:

    How to Create a Knowledge Networking CultureView more presentations from Michael Heiss.

  2. @MichaelHeiss würde mich freuen dich unserer Community anschließt. Danke für die Links zu Slideshare

  3. [...] Einen sehr gute, kompakte Zusammenfassung von der Tagung hat Michael Holakovsky geschrieben. [...]

  4. …und während ich noch ein schlechtes gewissen habe, dass ich noch immer nichts geschrieben habe, steht schon alles hier…

  5. Hallo Michi, eine hervorragende Zusammenfassung !
    Darf ich mich mit einem Comment bedanken ?

    Mir sind ebenfalls 2 Aussagen von Dion Hinchliffe noch besonders in Erinnerung geblieben – “E 2.0 auf jeden Desktop, integriert mit BPM” und “Social Networking Layer in der Enterprise Architecture”.

    Ich erinnere mich noch an Aussagen, E 2.0 sei für die Kreativ-Arbeiter, und BPM für die Workflow-Arbeiter. Als ob dort alles nur nach Schema F liefe …

    Der Social Networking Layer in der EA erscheint mir schlüssig, wenn wir das Facebook API-Framework als Vorlage nehmen. Der Mensch und seine vielfältigen Beziehungen im Netzwerk stehen jetzt im Mittelpunkt, weitere Services werden um diese Kernobjekte herum gruppiert.

    Alles in allem ein inspiriender Tag, thx Dion, danke Auditorium !

  6. Vielen Dank für diese informative Zusammenfassung, das ist ein sehr spannendes Thema und ich stimme zu, dass es sicherlich noch nicht ausgereizt ist. Diese neue Technologie sinnvoll und gewinnbringend zu nutzen wird die große Aufgabe in der Zukunft sein.

    Vielen Dank auch an MichaelHeis für die Verlinkung zur Slideshow

  7. Kasey Laska says:

    Ich lese schon seit vielen Wochen mit und wollte einfach mal ein Lob dalassen.

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