Return on Contribution (ROC): Eine ROI Metrik für E2.0

Einführung & Motivation
Fast jeder kennt ihn (oder hat zumindest schon davon gehört) und die meisten fürchten ihn — den Begriff Return on Investment (ROI), also eine Quantifizierung, wie weit der Nutzen einer Investition bzw. eines Projekts die Kosten und Aufwände desselben übersteigt.

Einige kennen möglicherweise auch entsprechende Verfahren, den ROI tatsächlich zu berechnen: Von Gewinnvergleichsrechnungen, Rentabilitätsrechnungen, Kosten-Wirksamkeitsanalyse über die (heute sehr oft eingesetzte) dynamische Cash Flow Rechnung bis hin zu Real Optionen (die nur noch ganz wenige rechnen können – die SAG natürlich schon ;-) ).

Allen diesen Verfahren gemeinsam ist aber die Anforderung, dass man den Nutzen in Geld ausdrücken können muss, sonst kann man sie nicht anwenden, sonst kommt einfach keine Zahl für den ROI am Ende heraus.

Und jetzt nehmen wir eine typische E2.0 Applikation (Blog, Wiki, File Sharing, Facebook, MindMeister, ARISalign,…) und versuchen, den Nutzen von E2.0 in Euro zu übersetzen…

  • Kollaboration
  • Vermeidung von Information Overload
  • schnellerer Zugang zu Informationen
  • bessere Informationen
  • effizientere Suche
  • kollektive Intelligenz (bspw. Problemlösungsfähigkeiten)
  • keine fix vorgegebene Struktur
  • keine fix vorgegebenen Abläufe oder Prozesse
  • egalitäres Rollenverständnis
  • glückliche Zufälle
  • Verbindungen zu anderen Netzwerken
  • Brückenschlag zwischen Informationsplattformen
  • Bildung von Beziehungen zwischen Akteuren
  • kollektive Intelligenz

Return on Contribution (ROC)
Return on Contribution nimmt nun das ursprüngliche Konzept eines ROIs, nämlich den Nutzen durch die Kosten zu dividieren — ändert aber die Maßeinheit entscheidend: Nicht Euro stehen im Mittelpunkt von E2.0, sondern der Mensch. Und zwar der Mensch, der einerseits (informationelle) Beiträge in einer E2.0 Applikation erstellt (Produzent), andererseits aber derartige Beiträge von anderen Produzenten konsumiert (Konsument).

Der ROC einer E2.0 Ressource errechnet sich daher einfach als der Quotient der Anzahl der Konsumenten der Ressource zur Anzahl der Produzenten dieser Ressource. Dabei ist das Konzept des „Beitrags“ in Richtung „Ressource“ erweitert worden, um nicht nur den ROC eines einzigen Blog-Eintrags bewerten zu können (den ein einziger „Produzent“ geschrieben hat), sondern auch den ROC einer ganzen E2.0 Applikation, bspw. von www.enterprise2punkt0.at insgesamt, oder auch den ROC eines bestimmten Tags oder ein bestimmten Komponente einer E2.0 Applikation.

Beispiel
www.enterprise2punkt0.at hatte bis Anfang Juli 2010 ca. 1.700 Konsumenten und 5 regelmäßige Blogger (die Produzenten der Kommentare habe ich jetzt unterschlagen): Damit kommen wir auf einen ROC von 340. Natürlich sagt diese Zahl isoliert und an sich nichts aus, aber sie taugt für historische Vergleiche, für das Beurteilen im Vergleich zu ähnlichen E2.0 Applikationen und für das Setzen von Zielen.

Theorie
Auch wirtschaftstheoretisch ist das Konzept tragfähig, wenn man von der sogenannten Rational Choice Theorie ausgeht. Diese Theorie unterstellt, dass die Mitarbeiter von den ihnen zur Verfügung gestellten E2.0 Ressourcen in rationaler Überlegung angemessen Gebrauch im Rahmen ihrer strategischen Bedürfnisse machen. Jeder Zugriff auf diese Ressource kann daher als Maßzahl für den subjektiven Wert dieser Ressourcen für den Mitarbeiter angesehen werden und misst damit indirekt den Nutzen dieser Ressource für den Mitarbeiter.

Quelle
Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel Michael J. Muller et al., „Return on Contribution (ROC): A Metric for Enterprise Social Software“, in: I. Wagner et al. (Eds), ECSCW09: Proceedings of the 11th Conference on Computer Supported Cooperative Work, 7-11 September 2009, Wien. London: Springer, 2009.

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5 Responses to “Return on Contribution (ROC): Eine ROI Metrik für E2.0”

  1. Die Idee gefällt mir. Es fehlt mir nur die zeitliche Komponente. 2.000 Konsumenten bei 5 Beitragenden in 1 Monat sind etwas anderes als in einem Jahr.

    Vorschlag für korrigiertes ROC: Anzahl Konsumenten / Anzahl der Autoren berechnet für den Zeitraum eines Jahres.

    Außerdem solltest du alle Autoren eines Mediums zur Berechnung verwenden, ansonsten müsstest du noch eine Regel definieren, ab wie vielen Beiträgen ein Autor einbezogen wird. Vielleicht wäre auch eine andere Skala hilfreicher. Für große Webseiten erhältst du ROCs in Millionenhöhe. Wenn du z.B. einen log() verwendest könnte das ähnlich dem Schalldruck schon begrenzt werden.

    Kurzum, ausgezeichnete Idee und Gedankenanstoß.

  2. Schließe mich da Michael Holakovsky an, die Idee ist wirklich hervorragend, gerade aus dem bekannten Grund, dass Social Media und/oder Enterprise 2.0 Applikationen nur sehr schwer in eine übliche ROI Berechnung einzuzwängen sind.

    Die Frage der Skala bleibt, meiner Meinung sollten sich hier die Werte um eine “Richtgröße” anordnen und nicht ins unendliche steigen. Ein Logarithmus ist da sicherlich ein richtiger Weg.

  3. Hi Christoph,

    ich finde den Artikel und die Idee auch genial. Es stellt sich immer wieder die Frage, wenn wir versuchen Kunden den Nutzen von E 2.0 Anwendungen zu klären, wie ich das in einen ROI umrechnen kann und meist scheitert das (ähnlich dem ROI eines Intranets). Da stellt sich natürlich immer die Frage, ist es dann schlecht, wenn man den ROI nicht rechnen kann?

    Ich glaube nein, man kann nur die Effekte, die es auf den Umsatz und Effizienz eines Unternehmens nicht so leicht rechnen, weil sie weitläufig sind. Was bringt es meinem Gehalt in der Zukunft, wenn ich heute einen Kommunikationskurs mache? Wenn ich damit im Verhandlungsgespräch mit meinem Chef punkten kann – viel :) .

    Ich würde die Formel aber noch erweitern, weil sie setzt das System nicht in den Kontext mit der Gesamtzahl der handelnden Personen.

    D.h. wenn ich ein 1 Person Autor – 1 Person Konsument System habe, dann ist der Wert sehr hoch, man müsste ihn noch in Kontext mit der Gesamtzahl des Systems (z.B. alle Mitarbeiter des Unternehmens) setzen.

    Aber sonst genial … werde ich mal im nächsten Verkaufsgespräch mitnehmen – den Ansatz.

    Danke.

    mfg kms

  4. [...] Wie kann man den Nutzen von Enterprise 2.0 Anwendungen messen? Erstellt am 13. September 2010 von Josef Buschbacher Enterprise 2.0 – Anwendungen gewinnen in letzter Zeit sicherlich nicht unbegründet an Popularität. In bereits erschienenen Bücher, die sich theoretisch mit diesem Thema auseinander setzen und in Erfahrungsberichten liest man zur Zeit viel über den Gewinn und Nutzen von Social-Software. Die Gedankengänge waren bis jetzt qualitativer Art. Nun gibt es erste Versuche einer Quantifizierung. [...]

  5. [...] Ergänzung zum Beitrag von Christoph Strnadl möchte ich noch eine Metrik ins Spiel bringen – Return on Influence and [...]

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