Derzeit laufen hitzige Diskussionen zur Freiheit des Internets. In den USA steht ein Gesetz zu einem Überwachungs- und Blockade-System für das Internet vor der Einführung – und da sich einige zentrale Knotenpunkte und Schaltstellen des Internets auf Boden der USA befinden, hätte dieses Gesetz massive Auswirkungen auf die gesamte Welt (siehe Info-Graphik weiter unten).
In einem Unternehmen stellen sich ähnliche Fragen: Wie viele Freiheiten sollen Mitarbeiter haben dürfen? Sollen ein Mitarbeiter z.B. in der Arbeitszeit Kritik am eigenen Unternehmen auf dessen Facebook-Seite posten dürfen. Das klingt unrealistisch? Das reale Beispiel ist ein Google-Mitarbeiter, der vor kurzem massive Kritik an Google+ ebendort gepostet hat (siehe mashable).
Einerseits entfaltet das Web 2.0 eben durch die Mitarbeit und Initiative jedes Einzelnen seine kreative Kraft. Wenn man dies auf das eigene Unternehmen umlegen will, dann bedeutet dies ein notwendiges Grundvertrauen und Freiheit für die Mitarbeiter. Nur dann kann das Erfolgsrezept von Web 2.0 auf ein Enterprise 2.0 umgelegt werden.
Im Gegensatz dazu kenne ich österreichische Unternehmen, die selbst in Facebook vertreten sind, ihren Mitarbeitern aber Facebook in der Arbeit verweigern (also sperren). Damit kann ein Mitarbeiter nur abends nach der Arbeit ein “Freund” seines eigenen Unternehmens werden. Er erhält Informationen, die das eigene Unternehmen auf Facebook postet später als Kunden oder unternehmensfremde Personen (zumindest bei mangelnder interner Kommunikation). Diese Unternehmen verfolgen damit im Kern eine Arbeitsstrategie vor Web 2.0, außer dass sie modernere Methoden zur Kommunikation verwenden.
Zugegeben, die Grenzziehung ist entsprechend schwierig, die Übergänge sind verlaufend.
Zurück zur Internet Blacklist Bill der USA: Auf Basis dieses Gesetzes sollen Internet-Seiten blockiert werden können, z.B. wenn diese gegen geltende Gesetze verstoßen. Oft genannte Beispiele sind Kinderpornographie, Verhetzung oder ähnliches. Dabei ergeben sich viele Fragen: Wer bestimmt, welche Seiten auf einer solche “Blacklist” stehen? Wo kann man gegen eine (ungerechtfertigte) Sperre Einspruch erheben? Wird ein Unternehmen wie Twitter zur Verantwortung gezogen, wenn ein User illegale Inhalte postet?
Viele Gegner des “Stop Online Piracy Act” befürchten eine Zensur des Internets und eine (willkürliche) Blockade von Webseiten. Große Unternehmen sprechen sich gegen das Gesetz aus, unter anderem Google, Microsoft, Facebook, Twitter, LinkedIn, eBay, Mozilla, Wikimedia Foundation, etc. Eine Info-Graphik zu “Stop Online Piracy Act” zeigt interessante Fakten und Zusammenhänge: http://americancensorship.org/infographic.html
Und wie geht Ihr Unternehmen mit der Internet-Freiheit um?


Du hast hier ein sehr heikles Thema angeschnitten. Ich glaube, dass viele Unternehmen aktuell überfordert sind damit, einerseits mit der Informationspolitik “lockerer” umzugehen aber andererseits in Zeiten von Anonymous mehr Sicherheitprozesse & -techologien im Unternehmen zu etablieren.
Das spießt sich irgendwie. Daher wird momentan verstärkt auf Security Wert gelegt.
Beim gestrigen Abend des Juristenverbands mit Fokus auf IT & Sicherheit war das Thema Nummer 1. Die eigenen Mitarbeiter in Marketing und Verkauf einzubinden ist zwar gut, aber noch teuerer ist es, wegen einer Sicherheitslücke am Pranger oder gar vor Gericht zu stehen.
Guter Beitrag, der eine spannende Frage aufwirft: Wie viel Transparenz ertragen Individuum, Gruppe, Unternehmen und die Welt. Und was macht man am besten, damit es nicht dazu kommt