Was tun, wenn der erste Schwung vorbei ist?, fragt Joachim Niemeier von Centrestage in einer aktuellen Studie. Stagnationsphasen nach einer Einführung neuer Medien und neuer Kommunikationsprozesses sind unvermeidlich; der Umgang mit diesen ist entscheidend für den weiteren Erfolg der nicht nur der nächsten Schritte, sondern der gesamten Enterprise 2.0-Projekte.
Ich war ja lange Zeit ein Anhänger von Freestyle-Vorgangsweisen: Aus den Grassroots auf Bedürfnisse reagieren, mit interessierten User On-Demand-Lösungen entwerfen, maßgeschneiderte Lösungen aus einem generischen Baukasten entwickeln – das war lange Zeit meine Methode.
Das wird auf die Dauer anstrengend. Und: Diese Vorgangsweise verzichtet auf günstige Multiplikationsfaktoren, die das Wissen über neue Methoden leicht und schnell verbreiten können. Auch im eigenen Unternehmen braucht es eine – praxisorientierte – Verkaufsmappe mit den wichtigsten Argumenten, Casestudies, und Richtlinien.
Wir bleiben auch mit offenen Kommunikationsmedien, abteilungs- und länderübergreifenden Kommunikationsflüssen und spontan entstehenden Userbeziehungen in einer organisierten Welt. Mitarbeiter wollen wissen, was sie machen können, und teilweise noch wichtiger: was sie machen dürfen.
Deshalb finde ich mich knapp zwei Jahre nach den ersten Social Software Rollouts im Unternehmen mittlerweile mit einem ganzen Startpaket wieder, das jedem interessierten Autor, Blogger oder potentiellen Communitymanager ein erstes Bild liefert.
Zu den Muss-Zutaten gehören aus meiner Sicht:
- Intranet Governance: Wer ist warum wofür verantwortlich? Wer steuert, plant, entscheidet? Welche Rollen und Zuständigkeiten sind vorgesehen, wie werden sie organisiert?
- Redaktionsrichtlinien: Was soll wo wie veröffentlicht werden? Was sind Mindeststandards und inhaltliche Vorgaben? Was wird nicht unterstützt?
- Planungsvorlagen: Wie sieht ein Standardprojekt aus? Welche Schritte sind mindestens notwendig, wo gibt es Unterstützungs- und Anpassungsmöglichkeiten, welche Durchlaufzeit ergibt sich mindestens?
- Kochbücher und Cheatsheets: Was sind die üblichsten Vorgangsweisen im Umgang mit dem Redaktionstool? Was sind die meistgesuchten (und am schlechtesten dokumentierten) Shortcuts und Bonusfunktionen?
Das schafft ein Baukastensystem, mit dem auf die in der Studie verwiesenen notwendigen Schritte schnell reagiert werden kann:
- Wir brauchen mehr Lösungen, die neue Mittel zur Lösung bekannter Schwierigkeiten in Unternehmensprozessen einsetzen.
- Management-Awareness ist in Stagnationsphase wichtiger als während der ersten Einführungen.
- Technik muss generisch sein. Das bewahrt Flexibilität und erspart ausufernde Setup-Kosten – aber es stellt auch hohe Anforderungen an Tempo und Qualität der Entwicklungsprozesse.
Und diese Punkte lassen sich, erraten, leichter berücksichtigen, wenn zumindest die grundlegenden Schritte ein bisschen standardisiert sind. Auch wenn das gegen die erste Intuition scheinen mag…


Damit entfernt sich dein System von der kollaborativen Qualitätssicherung (erst schreiben, dann korrigieren) zu einem redaktionell betriebenen System (kontrolliere ob die Regeln eingehalten werden, dann publiziere).
Für mich liegt hier ein grundsätzlicher Konflikt zwischen Social Media und CMS, der nicht leicht aufzulösen ist.
Wir haben die E20-Einführungsstrategien einmal untersucht (http://aisel.aisnet.org/wi2011/4/).
Sehr pragmatisch gesagt:
Wenn die Hürden sehr groß sind, braucht man vermutlich eine ganze Menge Change-Management-Budget (oder eine neue MA-Generation als Treiber). Ich sehe aber auch den Vorteil von weniger Richtlinien und hin zu mehr Freiheit.
Mein Verdacht ist: Es hängt nicht (nur) von Größe und Komplexität ab, sondern vor allem von der Branche und branchenspezifischen Einstellungen gegenüber Neuerungen.
Ich meinte auch weniger Kontrolle (den Leuten sagen, was sie nicht tun dürfen), sondern Inspiration (den Leuten zeigen, was sie tun können). Das geht manchmal mit Laissez Faire, manchmal mit Beispielen, und manchmal braucht auch die Inspiration Regeln und Anleitungen….
[...] auch von Branchen abhängig – brauchen aber Regeln für Freiheit. Das haben wir auch in einem Gastbeitrag auf enterprise2punkt0.at zu erklären versucht. Erlaubt ist, was nicht verboten ist vs. erlaubt ist, was klar geregelt ist [...]